Rex - my love, mein Auslandshund
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Die Profi-Trainerin

Es hat geklappt, Petrus war gnädig gestimmt und das Treffen fand tatsächlich statt.

Vorausgegangen war, dass ich F. mit Rex Gassi geschickt hatte, aber leider hatte dieser sein Geschäft nicht erledigt, also Rex meine ich nun. ;-)

So zog ich also eine halbe Stunde vor dem vereinbarten Zeitpunkt los, kam aber schon gleich nicht an der Trainigswiese vorbei, weil dort ein Mann seine Dogge ohne Leine toben ließ.

Wir machten kehrt, wählten eine andere Richtung, Rex spielte nun fein mit und schließlich pirschten wir uns von hinten an die Treffpunktwiese heran, wo ich schon von Ferne einen Mann und eine Frau mit Hundestaffel-Westen sah und einen recht bulligen, großen Hund. Vom Doc noch weit und breit keine Spur, so stellte ich mich mit Rex in einiger Entfernung an eine Ecke und wartete.

Er hatte den anderen Hund bemerkt, blieb aber ruhig und genauso wurden auch wir nun bemerkt. Ich sah, wie die beiden einige Worte wechselten, dabei in unsere Richtung schauten, bis die Frau schließlich auf uns zukam und mir die Frage zurief, ob ich vom Doc käme.

Ich bejahte, sie winkte mich heran und schon ging es los. Wir stellten uns kurz vor, ich umriss ihr, worum es ging, und kündigte an, dass nun gleich das Theater einsetzen würde, was dann auch geschah.

Sie besah sich das einige Sekunden und sagte zu mir: "Der ist unsicher, gib mal her ..."

Wir befanden uns auf einem schmalen Bürgersteig, daneben, vielleicht anderthalb Meter eingerückt, stand der Mann auf der Wiese, der Hund saß aufrecht neben ihm.

Die Trainerin, eine Frau in mittleren Jahren, die ich der Einfachheit halber von nun an B. nennen werde, schnappte sich also unseren Bubi und ... ging mit ihm auf diese kurze Distanz an dem fremden Hund vorbei.

Und ... ich war völlig fassungslos ... es gelang ihr, ihn ruhig zu halten. 

Sie machte kehrt, das gleiche Spiel noch einmal, vermutlich sah ich ziemlich dämlich aus, wie ich da mit offenem Mund stand. 

Das Wichtigste einmal voran, ich kenne nun die Ursache für sein Verhalten, es ist Unsicherheit, wo nun mein eigenes (Fehl-)Verhalten ins Spiel kommt.

Im Grunde habe ich sogar Erfahrung mit Unsicherheit, denn bei Püppi hatte ich sie selbst diagnostiziert. Sie stellte ihr Fell hoch, sobald sie irgendwo einen Hund bemerkte, eine regelrechte Bürste von vorn bis hinten und daran erkannte ich immer schon, dass ein Hund in der Nähe sein musste, auch wenn ich selbst diesen noch gar nicht sah.

Dass man dann selbst Stärke zeigen muss, um dem Hund die fehlende Sicherheit zu geben, war mir auch damals schon klar, aber bei ihr war das kein Problem, sie lief immer links von mir, ich hielt die Leine in der rechten Hand und ließ sie im weiteren Verlauf durch die linke gleiten, so dass ich sie bei Bedarf sofort näher zu mir hinziehen konnte, ein knappes Wort dazu, das genügte, dass es keinen Terz mit anderen Hunden gab.

Rex nun ist da wesentlich unsensibler als sie und der Knackpunkt war ja bisher immer, dass es mir kaum gelang, seine Aufmerksamkeit in solchen Situationen vom anderen Hund weg und zu mir hin zu lenken.

Mit der Wasserspritzerei erreichte ich das kurzfristig, aber dann kamen nicht die richtigen Signale von mir, auch das war mir bewusst, die Frage war eben immer, wie komme ich durch zu ihm?

Und nun machte B. mir das innerhalb einiger Sekunden vor, nee, nee, was war ich baff.

Zunächst halbierten wir dann mal die Leine, d.h. ich hakte die Schlaufe direkt am Halband ein. B. selbst nimmt einen Hund nur mit links, was für mich allerdings zumindest mit viel Übung verbunden wäre, da ich als Rechtshänder nun mal die meiste Kraft im rechten Arm habe. So wie ich Sissi hielt, klappte das mit Rex bisher sowieso nie, da er viel zu viel zog, als dass das mit dem lockeren Durchlaufen der Linken funktioniert hätte.

Nun allerdings lernte ich, dass dies durchaus geht, wenn ich es nur richtig anpacke, ich muss nur sehr viel konsequenter und härter auf ihn einwirken.

Wie oft habe ich hier schon übers Vermenschlichen geschrieben und schon ertappte B. mich selbst dabei. Nach ihrem ersten Probelauf mit Rex kam dieser leicht irritiert über das Erlebte auf mich zu, wollte hochspringen ... ich sagte "runter", streichelte ihn aber mit beruhigenden Worten.

B. lachte und sagte: "Das ist kein Mensch, der nun Trost bräuchte ... heiteitei, die Mami ist doch da ... oder so ... Das ist ein Hund, der klare Ansagen will."

Nun war ich selbst an der Reihe, B. übergab mir Rex nach einigen Erklärungen zu meiner Haltung und wir marschierten an dem anderen Hund vorbei, wobei ich ihn wie beschrieben mit beiden Händen hielt. Sobald er das andere Tier fixierte, kam von mir ein scharfes "Nein" und ich rucktelte mehrmals hintereinander kurz an der Leine mit den Worten "hier, hier, hier".

Wenn er dann auf mich achtete statt auf den Hund, gabs ein Lob, und so begannen wir dann hintereinander Runden zu drehen auf der Wiese.

B. machte es mir wieder vor, erlebte nun aber auch erst einmal, wie Rex dann austicken kann. Nur ... im Gegensatz zu mir hatte sie das in Nullkommanix unter Kontrolle. Sie herrschte ihn an: "Platz!", er reagierte nicht, sie versuchte ihn runterzudrücken, es entstand ein kurzes "Handgemenge", in dessen Verlauf er sogar mal kurz versuchte, nach ihr zu schnappen. Aber da zeigte sich nun die Profitrainerin, denn innerhalb von Sekunden lag er dann doch auf dem Boden und sie stellte sofort einen Fuß direkt neben seinem Kopf auf die Leine.

Er wurde ruhig, bekam Lob und Leckerli und schon ging es weiter, bis ich dann wieder übernahm. Um uns herum wimmelte es inzwischen von Hunden, nein, nicht weitere Staffeltiere, sondern schlicht Gassigänger, die nun wohl um kurz nach zehn auch aus ihren Betten gekrochen waren.

Aber es gelang mir ... wir wetzten vielleicht eine Viertelstunde lang mit einem Affenzahn, wie ich fand, im Kreis, drehten um, nahmen die andere Richtung, immer im Zusammenspiel mit dem anderen Hund und seinem Führer. 

Mir hing nun selbst schon fast die Zunge aus dem Hals, als B. meinte, nun könne man ja das Tempo mal etwas erhöhen ...

Halloooo? Diese Frau ist sicher nicht jünger als ich selbst, aber sooo was von Kondition. Puh, ich musste eingestehen, dass ich ja jetzt schon außer Puste war (Scheiß-Raucherei) und sie meinte dann, na, wir hätten ja auch schon viel erreicht und könnten es für heute gut sein lassen.

Wir unterhielten uns dann noch eine Weile, verabredeten uns wieder für den übernächsten Samstag und dann gab sie mir noch einige Dinge mit auf den Weg.

Zum einen erklärte sie mir, dass ich den Quatsch gar nicht erst anfangen solle, von wegen, "der muss doch mit anderen spielen und sie beschnüffeln dürfen".  Der Hund sei nun mal von Haus aus kein soziales Tier in dem Sinne, dass er ständig Kontakt nach außen brauche. Er sei auf sein Rudel konzentriert, und wenn da noch andere Tiere integriert würden so wie Bailey, dann sei das gut und schön, aber mehr sei nicht nötig und gar nicht wünschenswert.

Was sie dagegen als wichtig erachtet - sie selbst macht offenbar gerade mit Schäferhunden besonders viel - sei ein Schäferhundeverein. Diese Hunde seien nun einmal für bestimmte Zwecke gezüchtet worden und sollten ihre angezüchteten Triebe auch ausleben dürfen.

Das passt, hier in der Nähe ist ein Schäferhundeverein, ich könnte ihn zu Fuß mit Rex erreichen und werde mich mal mit denen in Verbindung setzen.

So bekam ich also sehr viel Stoff zum Nachdenken mit auf den Weg und noch immer konnte ich noch nicht alles wirklich sacken lassen.

Fest steht, dass ich schon auf dem richtigen Weg war, in Bezug auf Kaninchen verfahre ich ja schon lange so, dass ich Nein sage, sobald ich merke, dass er sich fixieren will, und das klappt auch.

Was ich noch nie machte, war dieses kurze und mehrfache Ruckeln an der Leine, was übrigens gar nicht so einfach ist, wie es klingt. Ich werde das üben müssen, so wie ich mein ganzes Verhalten nun noch mehr als bisher kontrollieren muss.

Mit einer so erfahrenen Trainerin kann ich natürlich nicht mithalten, aber ich werde an mir arbeiten und auf jeden Fall fiel es mir wie Schuppen von den Augen, wie sehr dieser Hund im Grunde danach lechzt, sich unterordnen und damit sicher fühlen zu dürfen. Also liegt es nun an mir, ihm das zu geben, und das mit einer harten Konsequenz, die manch einen wird aufjaulen lassen, wobei wir dann aber wieder beim Vermenschlichen wären.

Dieses kurze Ruckeln tut ihm nicht weh, dient einzig und allein dazu, seine Aufmerksamkeit zu kriegen, und es führt die Linie, die ich ja sowieso schon eingeschlagen habe mit ihm, konsequent fort.

Dass diese Linie richtig ist, merke ich ja schon daran, wie sehr sich sein Verhalten zu Hause verändert hat, wie viel besser er sich anpasst und unterordnet und wie viel mehr Sicherheit und Zufriedenheit er dadurch ausstrahlt.

Da kommt noch einmal ein heftiger Stiefel Arbeit auf mich zu, denn so locker sich das alles auch lesen lassen mag, es ist nicht so einfach umzusetzen und ich werde sicherlich noch einige Treffen mit B. benötigen, damit sie mich korrigieren kann. Vor allem muss beim nächsten Mal auch F. mit von der Partie sein, denn ich habe ihm zwar versucht alles zu erklären, aber das reicht natürlich so nicht aus. 

An dieser Stelle einen herzlichen Dank an den Doc, durch dessen Vermittlung der Kontakt zu B. zustande kam, auch wenn er selbst gar nicht auftauchte, und natürlich an B. selbst!

Diese Frau hat mich tief beeindruckt und ich hoffe, mir noch viel von ihr abschauen zu können. 

 

10.8.14 09:57
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Magdalena / Website (11.8.14 10:15)
Hallo,
sehr interessant dein Bericht. Kann ich nur bestätigen die Methode. Einer meiner Hunde ist ein echter Angsthase. Habe ihn auch erst 4 Monate. Er ist 7 Jahre alt und kam zu uns über Hundepfoten in Not. Auch ich habe mir mittlerweile professionelle Hilfe geholt, weil er sofort flüchtet, wenn sich fremde Hunde nähern. Auch ich bekam die Anweisung, ihn kurz an die Leine zu nehmen und entschlossen an den anderen Hunden vorbeizugehen. Es funktioniert. Immer wieder üben halt. Mir wurd erklärt, dass Hunden die Angst genommen wird, wenn sie merken, dass sie sich einfach aufs "Frauchen"verlassen können. "Sie" hat die Sache im Griff und wenn "Sie" mit innerer Stärke an den Hunden vorbeigeht, kann ich ohne nachzudenken mitgehen.... so in etwa halt. Ist wirklich so, wie du schreibst, man muss sich selbst erst mal locker machen und Mut und Kraft sammeln, denn unsere Hunde merken nun mal, wenn wir unsicher sind. Bei mir hat auch sehr gut geholfen, viel mit "Bindungsarbeit" zu arbeiten. Hört sich jetzt auch merkwürdig an, aber ich gehe 2-3 mal wöchentlich ganz separat mit Armani auf einem abgelegenen Fleck "spazieren". Habe ihn mittellang an der Leine und maschiere locker mit vielen Richtungswechseln vor ihm her. Anfangs zieht er auch, aber dann wechsle ich sofort die Richtung, so dass er sich ständig neu orientieren muss und nach 5 Minuten spätestens habe ich seine volle Aufmerksamkeit. Man kommt sich schon etwas doof vor, aber ich kanns nur empfehlen. Zum Abschluss wird zur Belohnung dann noch ausgiebig gespielt und getobt. Ich mache das immer Abends und Armani liebt mittlerweile unser "Privates Beisammensein". Ich möchte dir einfach Mut machen. Bleib dran, hold dir Hilfe von Profis. Du wirst staunen, wie schnell das geht und nach ein paar Wochen kennst du deinen Hund nicht wieder und ihr habt erheblich weniger Stress. Liebe Grüße


rex-my-love (11.8.14 10:41)
Ja, genau das ist es, Magdalena, die eigene Entschlossenheit ist es, die den Hunden Sicherheit gibt. Es hat gerade supergut geklappt, ich war selbst überrascht und erzähle morgen früh ausführlicher darüber. Finde ich ja toll, dass du auch so ein "Nothelfer" bist und einen älteren und dazu noch leicht verstörten Hund aufgenommen hast. :-)
Das was du auf dem abgelegenen Fleck machst, ist es ja im Grunde, was ich mit Rex im Garten mache, wenn wir unseren Slalomparcours ablaufen mit ganz vielen Richtungswechseln. Und ich denke, diese Vorarbeit war sehr hilfreich dabei, dass ich das von B. Erlernte nun so schnell umsetzen konnte. Die Bindung - jaaaa, genau deswegen habe ich Bubi die ersten Monate komplett aus der Hand gefüttert (ging auch schon wegen seines Futterneides nicht anders) und erst jetzt stelle ich allmählich um, so dass er nun mehr und mehr aus dem Napf frisst.
Danke dir für deine Tipps und liebe Grüße zurück :-)

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