Rex - my love, mein Auslandshund
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Nähe

Schon seit gestern denke ich darüber nach, wie das eigentlich mit der Nähe ist, seit Corona wütet bzw. man uns dank der Maßnahmen so sehr eingeschränkt hat.

Für uns selbst hat sich ja gar nicht mal so sehr viel verändert, denn F. war bereits zuvor schon in Rente, meine Kontakte zur Literatur- und Künstlerszene ein wenig eingeschlafen, u.a. weil es mir immer weniger geheuer war, als Frau nachts in der Stadt sowie an Haltestellen und in Bussen unterwegs zu sein, und gemeinsame Unternehmungen waren ebenfalls schon selten wegen F.s Luftnot.

Was mir aber fehlt, sind die Nachbarn und Freunde, die Familie, die Möglichkeit, auch aushäusig noch ein wenig jobben zu können, und natürlich, auf eigene Faust ganz spontan einfach mal losziehen zu können.

Seit mehr als einem Jahr habe ich keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzt oder auch nur einen Fuß in eine der nahen Citys gesetzt.

Wie gern würde ich mal in den Zug steigen, um wenigstens ein bissl was davon mitzubekommen, wie die Mädels meines Bruders aufwachsen.
Es geht ja leider nicht zurzeit, aber immerhin habe ich das Gefühl, dass wir inzwischen sehr viel intensiver über alternative Wege in Kontakt sind als zuvor, wo es ja noch so selbstverständlich erschien, dass man sich jederzeit sehen könnte, wenn das Bedürfnis danach aufkäme.

Mit meinem Bruder gehen nun fast täglich über WhatsApp Fotos oder lustige kleine Dinge hin und her, erst gestern schickte er mir zehn Bilder vom Sonntag, als die Familie sich im Taunus-Schnee mit den Schlitten im Schnee vergnügte. Zum Glück bei ihm umme Ecke und alles völlig menschenleer.

Etwas später schellte das Telefon und meine Tante (T. H.) war am Apparat, die Schwester meiner Mutter und leider ... das schwarze Schaf der Familie.

Gibt es so etwas bei euch auch, das buchstäbliche schwarze Schaf, um das alle einen Bogen machen bzw. das sich selbst vom Rest der Verwandtschaft isoliert hat?

Bei uns war alles auf meine Oma zurückzuführen, die - in großem Reichtum in der Hamburger High Society aufgewachsen - es nie verwand, dass ihr Vater den größten Teil seines Vermögens durch den Ersten Weltkrieg verlor.
Gezwungenermaßen kehrte sie mit zurück ins Frankenland, wo er ursprünglich herstammte, konnte wegen der Wirren der damaligen Zeit mit ihrer hervorragenden Schulbildung nicht viel anfangen, entwickelte sich zu einer eiskalten, egomanen, aber auch durchaus mannstollen Person, wie meine Tante es einmal ausdrückte.

Drei Kinder ließ sie sich während der Nazizeit andrehen, von drei verschiedenen Männern und während sie die ersten beiden, also meine Mutter und ihren vier Jahre älteren Bruder, ihren Eltern noch irgendwie erklären konnte, fiel ihr dann beim dritten nichts mehr ein, sie verschwand für eine Weile und brachte meine Tante im Ausland zur Welt, um sie anschließend in einem Kinderheim zu deponieren (wo übrigens auch meine Mutter ihr erstes Lebensjahr verbrachte).

Sieben Jahre ließ sie das Kind im Heim, bis eine befreundete Pfarrersfamilie irgendwie davon Wind bekam und das Mädel zunächst selbst aufnahm, bevor es dann doch noch bei meiner Oma landete, nachdem sie ihrer noch lebenden Mutter endlich reinen Wein einschenkte.

Hatte der große Bruder immerhin noch ein Handwerk erlernen dürfen, mussten beide Mädchen die Schule früh verlassen und irgendwie Geld verdienen, zunächst in einer Fahrradfabrik, später wurden sie mit erst 15, 16 Jahren an die Ostsee geschickt, um dort als Bedienungen im Saisongeschäft zu arbeiten, und alle drei mussten Oma finanziell unterstützen. Das sah sie als selbstverständlich an, auch wenn sie inzwischen doch noch einen Mann zum Heiraten gefunden hatte, der aber ebenfalls nicht mit Reichtümern gesegnet war.

Kennen gelernt hatte sie ihn auf Gut Bissenmoor, wo sie als Köchin für die Eltern von Karl Lagerfeld arbeitete, während er der Chauffeur und Gärtner war. Übrigens lernte dort auch der große Sohn seine spätere Frau lieben, wie diese (also meine angeheiratete Tante) mir erst kürzlich noch am Telefon erzählte. Die kleine T.H. habe ihr damals so leidgetan, sagte sie, sie sei ihr immer so verloren vorgekommen, weil kein Mensch sie zu lieben schien. Die Oma war mit ihrer neuen Liebschaft (dem späteren Ehemann) beschäftigt und die Töchter sollten halt Geld beschaffen, sonst nichts, beide mit dem damals noch erheblichen Makel der Unehelichkeit behaftet.

Für meine Mutter besonders schlimm, weil sie über eine mathematische Hochbegabung verfügte, sogar ein Schuljahr auf dem Weg zur mitteren Reife übersprungen hatte und nichts lieber gemacht hätte als Abitur und anschließendes Studium.

Immerhin gelang es ihr dann, in die Familie meines Vaters einzuheiraten, die ja durchaus etwas darstellte, nur T.H. hatte dieses Glück nicht, erwies sich im Laufe der Zeit eher als völlig beziehungsunfähig, folgte aber ihrer Schwester an den neuen Wohnort, um dort wieder als Bedienung tätig zu werden, denn etwas anderes hatte sie ja nie lernen dürfen.

So setzen sich problematische Dinge durch die Generationen fort, wenn keiner es schafft, sie zu durchbrechen, und ich selbst habe meine verkorkste Kindheit dem Umstand zu verdanken, dass meine Mutter das Erlebte völlig unreflektiert eins zu eins an mich weiterreichte. Ihre Hochbegabung hatte sich leider tatsächlich nur auf einen Teilbereich bezogen ...

Als ich neuneinhalb Jahre alt war, kam der Bruch. Meine kleine Schwester wurde geboren und genau zu dieser Zeit hatte sich T. H. von einer Kollegin zur Prostitution überreden lassen.
Gefühlsmäßig völlig verkrüppelt (so drückte sie das mir gegenüber einmal selber aus) machte ihr das überhaupt nichts aus, war aber ein leichter Weg, schnell viel Geld zu verdienen.

Ihr war klar, dass sie ihrer Schwester damit gar nicht erst unter die Augen treten dürfte, denn wie schon meine Oma legte auch meine Mutter sehr strenge Maßstäbe an alle (außer an sich selbst) an, also zog sie es vor, ganz zu verschwinden, wurde zu einem jener Vermissten-Fälle, von denen man in den Medien so oft hört.

Erst Jahrzehnte später - ich lebte schon mit F. in Stuttgart - kam auf einmal die Nachricht, dass sie sich bei den Töchtern besagter Pfarrersfamilie gemeldet hatte, nicht aber bei meiner Mutter, was diese sehr erboste, erst recht, als dann herauskam, als was sie ihr Geld verdiente.

Ich selbst war es dann, die ihre Telefonnummer herausbekam und sich mit ihr in Verbindung setzte. Ich hatte sie als liebe Tante in Erinnerung und war ganz einfach neugierig auf sie.

Daraus entstand eine echte Freundschaft, ich schenkte F. reinen Wein ein und fragte, ob es ihm etwas ausmachen würde, wenn sie uns besuchen käme.

Nein, meinte er, vorausgesetzt, sie würde ihren Beruf nicht auf zehn Meter heraushängen lassen.

Tat sie nicht, im Gegenteil, sie ist eine ausgesprochen feine Frau und ich bin bis heute froh über die Nähe, die wir zwischen uns aufbauen konnten, sie war uns immer mit ihren kleinen Hunden herzlich willkommen, was dann allerdings zu erheblichen Auseinandersetzungen mit meiner Mutter führte, der sich dies nicht mehr verheimlichen ließ, nachdem wir nach hier umgezogen waren.

Und das Ganze war wahrlich nicht nur einseitig, T.H. war auf der anderen Seite auch immer für mich da, wenn ich (damals noch oft nötig) mal wieder ratlos über meine Mutter reden musste, und als unser Geld, nachdem wir unser Haus bar bezahlt hatten, nicht mehr für eine Küche reichte und ich mich zwei Jahre lang mit Hilfsgeräten in der Speisekammer durchwurschtelte, half sie uns in dieser Beziehung enorm weiter, etwas, für das ich ihr bis heute noch sehr, sehr dankbar bin.

Leider war meine Mutter bis zu ihrem Tod nicht zu einer Versöhnung bereit, so sehr ich mich auch darum bemühte, und so bin ich bis heute die einzige Familie, die T.H. hat, umso mehr genieße ich die Nähe zu ihr und habe Spaß, wenn sie von früher erzählt, z.B. wie ich immer auf ihren Arm wollte, damit sie mit mir twistete, oder wie ich sie mit Fragen löcherte, etwas, womit ich als Kind wohl mein gesamtes Umfeld ständig nervte.

Ich stelle gerade fest, dass ich solche Dinge unbedingt mal in Papierform festhalten sollte, denn sollten sich meine Nichten jemals für die Familiengeschichte interessieren, wenn sie groß sind, ist da keiner mehr außer mir, der das alles zusammenbekommt.
Ich glaube z.B. nicht, dass mein Bruder weiß, dass unsere Mutter damals auf Bissenmoor so mache Nacht mit dem noch jungen Karl Lagerfeld verquatschte, wenn dieser mal zu Besuch nach Hause kam ...

Jesses, eigentlich wollte ich nur von Fotos und einem Anruf erzählen, das hat sich mal wieder verselbständigt, bitte um Verzeihung.

Habt einen feinen Tag und ... bleibt gesund!
12.1.21 09:41
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sparköchin (12.1.21 14:58)
Aber dazu würde doch der Lockdown sich hervorragend eignen, für so eine Familienbiografie!! Noch dazu, wenn der bei euch jetzt vielleicht bis Ostern verlängert werden wird (erst dachte ich beim Lesen an einen Scherz!). Ich lese deine Einträge immer sehr gerne, aber nachdem ich ja erst vor einiger Zeit eingestiegen bin und die Erzählungen schon sehr punktuell sind, kriege ich den roten Faden nicht zusammen, leider.
Also bitte: schreiben!!

Und was genau kommt raus, wenn du eine Schandtat planst? Süß oder pikant?

Die Öffis habe ich von Beginn an regelmäßig benützt, im November sogar für eine Reise nach Deutschland, und ich bin immer noch gesund. Vielleicht ist das mit der neuen Mutation anders, aber Corona Classic hat mich trotz Bewegens in der Öffentlichkeit noch nicht erwischt.

Hier werden auch schon Gerüchte laut, dass die Schulen bis nach Semesterende geschlossen bleiben, das erzähl ich dem Kind jetzt einmal noch nicht. Aber der Frisierte hört ja sehr auf die Tante Merkel, also vielleicht schließt er sich ihr an, um auch hier die Wirtschaft und Kultur vollends auf den Boden zu knallen ...

Mein Tipp: geh ein bisserl unter die Leute, mit Abstand halt, aber verkriech dich nicht völlig.

Alles Liebe
wünscht die Sparköchin


"Rex-Mama" (12.1.21 15:24)
Also die Schandtat ist süß, schon fertig und von F. mit Behagen vorgekostet. Ganz zufrieden bin ich aber trotzdem nicht, werde morgen davon erzählen.

Das Unterleutegehen, seufz, ich denke, wenn du F. einmal japsen sehen würdest, könntest du nachvollziehen, warum ich mich von allem fernhalte.
Der arme Mensch bekommt extrem schwer Luft, gestern war es so arg, dass ich wirklich Angst bekam.
Auf jeden Fall könnte es bös enden, wenn da nun noch ein Virus zukäme, das noch zusätzlich auf die Lunge haut.

Von daher bleibe ich lieber vorsichtig und hoffe auf den Sommer.
Bissl mehr der einst so schön spontanen Treffen mit den Nachbarn wären schön und auch, wenn man wieder mal zu Besuchen durchs Land fahren bzw. welche empfangen könnte, aber ... das wird sicher alles wiederkommen.

Geduld heißt das Zauberwort und zum Glück bin ich auch nicht so betriebsnudelig, dass ich ständig Leute um mich bräuchte.

Nun muss ich grad lachen, denn für mich bedeutet der Lockdown ja echt keine zusätzliche Zeit, weil sich hier eh Arbeiten wie Sanieren bzw. Renovieren türmen und ich kaum weiß, wann ich das alles neben dem alltäglichen Kram hinkriegen soll.

Von daher - alles jut, es kommen auch wieder andere Zeiten, ganz sicher ...

Und letztlich wollte ich ja eigentlich darauf hinaus, dass sich zumindest bei mir alternative Kontaktwege ziemlich verstärkt haben ... wenn ich dann nicht so ins Erinnern gerutscht wäre.

LG zurück!


lifeminder (12.1.21 21:39)
Hallo, "Liebe Rex-Mama"!

Beste Genesung an den guten "F". Hoffentlich wird es bald besser mit seiner Luft. - Zumindest hoffen, darf man ja.

Hu, das war wirklich bewegend zu lesen. Von deiner Familie, deiner Tante. Den Kontakten und Nicht-Kontakten.

Deine Tante scheint wirklich eine gute Seele zu sein, wie oft siehst du sie denn noch im Jahr?

Schön, das der Kontakt so fliessend ist zwischen deinem Bruder und dir. - Auch wenn es natürlich schade ist, das du momentan nicht live mitverfolgen kannst wie deine Nichten aufwachen.

Das dir Freunde und Kontakte fehlen verstehe ich nur zu gut. Mir geht es nicht anders. - Aber wenigstens haben wir moderne Kommunikationsmittel die uns doch nicht ganz von einander abschneiden.


Trainierst du eigentlich wieder mit Rex.



Liebe - Familie ist Heimat - Grüße
Vom lifeminder


"Rex-Mama" (12.1.21 22:02)
Diese Tante wohnt leider 300 km entfernt von mir und ich habe sie tatsächlich seit Jahren nicht mehr gesehen, denn sie hatte immer kleine Hunde, was mit Rex natürlich gar nicht ging, und nun steht einem Besuch Corona im Wege.
Sie gehört leider auch zu denen, die technisch nicht mit der Zeit gingen, hat weder Internet noch Smartphone, also muss uns das normale Telefon reichen.

Danke für deine Genesungswünsche, lieber lifeminder, aber bei COPD ist das so eine Sache. Zumindest tue ich über die humanmedizinischen beschränkten Möglichkeiten hinaus, was ich tun kann, um ihm das Atmen zu erleichern, mal mit mehr, aber mal leider auch mit weniger Erfolg.

Rex, na ja, aus dem richtigen Trainingsalter ist er allmählich heraus und draußen regnet es ständig, also bleibt es mehr bei Geschicklichkeits- und Suchspielen, Hauptsache, er langweilt sich nicht, passt schon alles so.

Liebe Im-Gegensatz-zur-Familie-kann-man-sich-die-Freunde-selber-aussuchen-Grüße zurück!

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