Rex - my love, mein Auslandshund
  Startseite
  Über...
  Archiv
  Rezepte
  Gedichte
  FOTOS
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

   Rex hat Spaß mit seiner Nachbarin im Hundehotel
   Rex und sein stressiges Leben/YouTube
   Wissenswertes über die Sinne des Hundes
   Rex beim Stop'n Come/YouTube
   Rex, das Spielkind/YouTube
   Rex führt Herrchen Gassi/YouTube
   Rex, der Entenjäger/Youtube
   Rex und Queen

https://myblog.de/rex-my-love

Gratis bloggen bei
myblog.de





In leicht gedrückter Stimmung ...

... verbrachte ich den gestrigen Tag, an dem meine Mutter 80 geworden wäre.

Als Kind liebte ich Geburtstage und fieberte ihnen genauso entgegen wie jedes andere Kind, das Gefühl, wenigstens einmal im Jahr etwas Besonderes zu sein, dazu noch die Geschenke, das war schon aufregend, und das galt fast genauso stark für die Geburtstage der anderen - allzu gern sah ich ihnen beim Auspacken zu.

Später realtiverte sich das doch sehr und ich war außerordentlich zufrieden damit, wie es dann mit F. und mir in Stuttgart lief. Wir beide gingen essen, anschließend meist noch in unsere Stammkneipe und das wars dann auch.

Diese etwas distanzierte Einstellung rührte vermutlich daher, dass ich die Erwartungshaltung meiner Mutter gegenüber solchen "Ehrentagen" mitunter als etwas überzogen ansah.

Ich mag vielleicht 8 Jahre alt gewesen sein, es war Sonn- und Muttertag. Meine paar Groschen Taschengeld hatte ich mühsam zusammengespart, um ihr ein kleines hübsches Übertöpfchen und ein Stück besonders wohlriechender, handgemachter Seife zu kaufen, und freute mich schon sehr auf den Moment des Überreichens.
Wie immer schlief sie aber länger als der Rest der Familie und so schnappte Papa meinen Bruder und mich, um uns zuvor noch etwas "auf die Weide zu führen", wie er das nannte.

Fein, dachte ich, da kann ich unterwegs noch ein paar Blümchen pflücken, da wird sie besonders viel Freude dran haben, doch weit gefehlt, als wir heimkamen, wurden wir von einem Megadonnerwetter begrüßt.
Sie war hochgradig enttäuscht, dass sie beim Aufstehen niemanden vorfand, bestrafte uns danach mit tagelangem Schweigen und ich weiß es wie heute, dass ich - in unser Kinderzimmer eingesperrt - wohl zum ersten Male im Leben regelrecht aufmüpfige Gedanken hatte, denn allzugern hätte ich Töpfchen mitsamt der Seife aus dem Fenster gedonnert, was ich aber natürlich nicht tat.

Dann waren da die Heiligabende, an denen sie besonders Papa oft mit enttäuschten Reaktionen bedachte. Der arme Mann machte sich immer viel Mühe, kam mit besonders gestrickten Jacken an, mit Handtaschen oder auch mal mit Uhren oder Schmuckstücken.
Doch recht war es nie und irgendwie vergällte mir das im Laufe der Zeit die Freude an der Hin- und Herschenkerei, deshalb passte die abgespeckte Stuttgarter Version gut ins Programm.

Als wir dann nach hier gezogen waren, musste ich wohl oder übel wieder voll einsteigen ins Feiergeschehen. Meine Eltern luden zu ihren Geburtstagen gern zu etwas Besonderem ein. Mal war es eine Schifffahrt, mal ein Ausflug mit Kaffeetrinken, und abends ging es immer zum Essen in ein gutes Lokal (gerade las ich, dass eines von Papas Lieblings-Speiselokalen dank des Lockdowns nun auch schließen musste), alles allerdings immer nur auf den engeren Familienkreis beschränkt, denn mitsamt den insgesamt 8 Geschwistern meiner Eltern nebst 17 Cousins und Cousinen, deren Partner und Nachkommen wäre das wohl doch etwas eng geworden.

Auf jeden Fall fühlte ich mich natürlich dadurch gezwungen, auch zu unseren Geburtstagen etwas zu veranstalten, obwohl F. und ich beide keinen gesteigerten Wert darauf legen.

Und so wienerte ich tagelang Haus und Garten, buk, brutschelte, kochte auf Deibel komm raus, bereitete Salate zu und war am eigentlichen Festtag stundenlang damit beschäftigt, auf- und wieder abzudecken und die ganzen Fressalien hin- und herzutragen.

Auch für Muttertag galt dies, teilweise auch für die Geburtstage meiner Eltern, sofern mal nichts Größeres geplant war.
Wollte Muttern halt die Arbeit abnehmen, um die sie nach Möglichkeit gern einen Bogen schlug, und wenn alle die Bäuche voll hatten, verabschiedeten sie sich (Eltern wollten heim, weil sie ja mit dem Auto hier waren, abends aber gern Alkoholisches trinken wollten, die kleinen Kinder meiner Schwester mussten ins Bett) und so blieb ich nach der ganzen Rennerei meist mit einem recht tristen Gefühl zurück, und dazu kam natürlich, dass das mit der Schenkerei immer schwieriger wurde, weil ja längst alle alles hatten und im Grunde keiner immer noch mehr Kram gebrauchen konnte.

Früher einmal hatte ich zu Weihnachten und Geburtstagen 12 Leute zu beschenken, also nur die aus dem engen Familienkreis - das war schon immer ein ganz ordentlicher Aufwand, den ich mir heute in besonders sentimentalen Momenten durchaus noch mal zurückwünschen würde, denn inzwischen weilen die meisten nicht mehr unter uns und ich habe im 200-km-Umkreis keine näheren Angehörigen mehr.

Das alles ging mir gestern durch den Kopf und so war es gut, dass ich genug zu wurschteln hatte, um mich von den trüben Gedanken abzulenken.

Außerdem dachte ich an die "Disco" zurück, von der Rexibubi und ich morgens empfangen worden waren.

Kaum an der Villa vorbei stutzte ich über sehr laute orientalische Musik, die immer dröhnender wurde, je weiter wir uns dem Gewerbegebiet näherten. Ein neugieriger Blick durch ein Loch in der Plane des Zaunes, der den großen LKW-Platz umgibt, brachte des Rätsels Lösung - neben vielen anderen standen dort zwei 40-Tonner, hell erleuchtet, aber kein Mensch zu sehen, und aus einem von ihnen kam der Sound und dann hörte ich auch Stimmen, die sich auf Türkisch unterhielten bzw. sich anbrüllten, um die Musik zu übertönen.

Hm ... *Kopp kratz* ... noch während ich über diese Situation nachdachte, wurde auf einmal das Führerhaus eines der LKWs, an denen wir am Straßenrand (auf unserer Seite des Zaunes) entlangliefen, ebenfalls hell und ich sah mehrer Männer sich darin bewegen, was dann letztlich den Ausschlag gab, mein Büble zu packen und umzukehren.

Unser Gang war dadurch natürlich etwas kurz ausgefallen, zumal ich jetzt auch Gas gab, um aus dieser fast unwirklichen Szenerie herauszukommen, und nun tat Rex etwas, das er noch nie gemacht hat.

Wir waren inzwischen an dem Haus angekommen, dessen Besitzerin ja kürzlich verstorben ist. Die alte Dame war ein kleiner Putzteufel gewesen und hatte stets sorgsam jedes Blättchen entfernt, dass sich auf ihren Bürgersteig wagte, nun aber schaut keiner mehr danach und so befand sich auf der Straße vor ihrer Garagenzufahrt ein dicker Laubhaufen - viel zu früh für diese Jahreszeit.

Auch Rex hatte ihn bemerkt und missinterpretierte ihn dahingehend, dass er die Straße in diesem Moment wohl nicht als solche und damit als tabu für Geschäfte jeglicher Art erkannte, und so beschnüffelte er das Häuflein eingehend, um sich dann kurzerhand umzudrehen und ein selbiges daraufpurzeln zu lassen.

Das hatte ich nicht kommen sehen, sonst hätte ich es verhindert, denn nun hatte ich keine Chance, die Wurscht inmitten des Laubes wiederzufinden und einzusammeln, also musste sie dort liegen bleiben.

Na ja, wir zahlen hier genug für den zweimal wöchentlich durchrauschenden Reinigungswagen der Stadt, dessen Lärm Rex immer sehr wütend macht. Nun können sie sich mal revanchieren dafür ...

Das sind übrigens Gedanken, die sich leider etliche Hundehalter so gar nicht machen. Ich ärgere mich oft schwarz, wenn mal wieder einer seinen Hund bei uns auf den Bürgersteig machen ließ und im Traum nicht daran dachte, das wegzuräumen, reicht ja, wenn das an uns hängen bleibt.

Zu schade, dass man nie eines von diesen Ferkeln mal auf frischer Tat ertappt. Hui, da würde es rauschen im Karton, das schwöre ich.
Das Gleiche gilt auch für die unsägliche Beinchenheberei an Hauswänden. So etwas muss doch nicht sein, warum kapieren die Leute das nicht?

Und damit genug für heute, bin eh spät dran, weil ich mich nach unserem sehr frühen Gang so müde fühlte, dass ich mich tatsächlich noch mal für ein Stündchen aufs Sofa knallte - was umgehend mit einem saublöden Alptraum belohnt wurde, aus dem ich nun froh bin, erwacht zu sein und mich somit aufs Schrubben stürzen zu können.

Habt einen tollen Tag und ... bleibt gesund!
28.7.20 08:20
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Lifeminder (28.7.20 12:36)
Hallo, Liebe Rex-Mama!

Was für ein wunderbarer emotionaler Blogeintrag. Ausgeschmückt mit Momenten, man glaubt dabeigewesen zu sein, wenn du in Erinnerungen schwelgst.

Auch mir ist während des Lesens die ein oder andere Geburtstagsanekdote eingefallen.


Dies Ferkel die du beschreibst kennt man. Die gibts überall, dennoch die meisten Hundehalter machen das Prima und lesen sofort die Hinterlassenschaften ihres 4-Beiners auf.

Schade, das der Ausgang mit Rex so kurz ausfallen musste.


Wieder so ein kleiner großartiger Blogeintrag, den ich einfach von der ersten bis zur letzten Zeile genossen habe. - Vielen Dank!


Liebe - Julihafte Sonnschein - Grüße
Vom lifeminder


HS (28.7.20 17:05)
Im Gegensatz zu Lifeminder, empfinde ich deinen Beitrag heute als sehr düster, traurig, freudlos. Den nächtlichen Gang mit Rex durch dieses Gewerbegebiet würde ich mir schon mal überhaupt nicht antun. Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, würde ich lieber mit dem Auto ein Stück rausfahren und dort einen wirklich schönen Spaziergang machen.

Und die Schilderung deiner Mutter... ach Gott, wie enttäuschend für dich muss dieser Geburtstag gewesen sein. Ich denke an meinen Bruder, der in drei Monaten seinen 80. Geburtstag feiern wird, und wie optimistisch und lebensfroh er ist, trotz seines jetzigen Gesundheitszustandes. Wie er mit seiner Kindheit umgeht (indem er sie aus seinem Gedächtnis gestrichen hat), wie von Grund auf positiv er ist. Zwei Kriegskinder, zwei traumatisierende Kindheiten vermutlich, zwei offenbar total unterschiedliche Charaktere.... Aber scheinbar war dein Papa dafür ein ganz anderer Typ als meiner, das ist viel, viel wert :-)

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)

 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung