Rex - my love, mein Auslandshund
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Nur so'n paar Gedanken ...

Gestern war wieder "Partytime" nebenan im Heim.

Alle vier oder sechs Wochen findet das statt, aufmerksam darauf werde ich immer, wenn Musik beginnt zu uns herüberzuschallen.

Manchmal werfe ich dann einen kurzen Blick über die hohe Mauer, sehe die alten Herrschaften im Halbkreis in ihren Rollstühlen sitzen und dem Alleinunterhalter lauschen.

"Junge, komm bald wieder", "Unter der Laterne ...", "Marmor, Stein und Eisen bricht" und der ein oder andere Walzer wehen durch die Luft und dann kommt meist der Moment, wo mir ganz anders ums Herze wird, wenn nämlich die alten, zittrigen Stimmchen beginnen mitzusingen, und manchmal geraten sie auch so in Fahrt, dass im Takt geklatscht wird.

Ich frage mich dann immer, was wohl in ihren Köpfen vor sich gehen mag.

So viele gelebte Leben, die kurz vor dem Abschluss stehen ... wird da zurückgedacht an den Hochzeitswalzer, den man mit dem lange verstorbenen Partner tanzte?
Erinnert man sich an fröhliche Feten im Kreise der Nachbarschaft und daran, wie fit und vor Kraft strotzend man damals noch war?

Es ist diese leichte Wehmut, die mich auch immer überfällt, wenn ich mir an meiner "Ahnenwand" zu schaffen mache.

Ich bin ja dabei, nach und nach sämtliche Wände und Decken im ganzen Haus zu schrubben, vorgestern war eben diese Wand an der Reihe.

Dort habe ich ein gedrechseltes Regälchen hängen, das mein Großonkel farblich gestaltet hatte. Schon bei ihm war es mit alten Fotos bestückt und ich habe diese Tradition fortgesetzt.

Auf einem der drei Brettchen steht er selbst, als junger Mann in Uniform, daneben ein Bild im Silberrähmchen - sein Sohn (und damit ein Cousin meines Papas), der leider 1945 in den letzten Kriegsmonaten mit nur 7 Jahren ertrank, als die Engländer die nahe Talsperre zerbombten.

Vor ihm steht ein kleines Silberdöschen mit einer blonden Haarlocke, die meine Tante ihrem aufgebahrten Kind abschnitt - die Erzählungen darüber sind Teil meiner Kindheit, daher immer noch von Bedeutung für mich und ich frage mich, was ich damit bloß anfangen könnte, denn nach mir wird das keinen Menschen mehr interessieren und für den Müll finde ich es denn doch zu schade.

Onkels Ehe wäre daran beinahe zerbrochen, ich habe alte Briefe aus den Fünfzigern gefunden, die die beiden aufgrund einer räumlichen Trennung austauschten. Die Tante hatte den Tod des Kleinen nie überwunden und ich denke, dass ich selbst fast so etwas wie einen Rettungsanker darstellte, als ich später schon ab Kleinkindalter so viel Zeit bei ihnen verbrachte.

Vor dem Onkel liegt die kleine Anstecknadel, die er zur Silberhochzeit trug, während ich an Tantes Bild, das neben anderen direkt neben dem Regal hängt, ihr silbernes Krönchen befestigt habe.

So stehen und hängen dort etliche Dinge, die mich an etwas Liebes erinnern, meist sage ich, bevor ich mit dem Staubwischen anfange, zu ihnen: "So, nun kriegt ihr alle mal wieder die Fresse poliert", und es ist eine wirklich friedliche Stimmung, die mich dann umfängt, aber eben auch mit einem Hauch von Wehmut, weil einem dann wieder bewusst wird, wie vergänglich und kurz doch alles in diesem Leben ist ...

Zu diesem Gefühlszustand passte es dann sehr gut, dass wir am Abend einen "Ella-Schön"-Film von der Konserve anschauten.

Kennt ihr diese Reihe?

Annette Frier spielt die Protagnoistin, die dank Asperger-Autismus etwas "anders" und außerdem ein wandelndes Lexikon ist, den Leuten gern die ungeschminkte Wahrheit an den Kopf knallt und mit einer etwas ungewöhnlichen Lebenssituation klarkommen muss.

Sehr humorig gemacht alles, dazu mit vielen unerwarteten Wendungen und auch wenn ich eigentlich kein großer Filmfan bin, diese Reihe mag ich wirklich sehr.

Das war genau der richtige Abschluss für meine Stimmung gewesen, getoppt wurde dieser harmonische Friede nur noch durch Rex, als nämlich ein kurzes Gewitter aufkam.

Wir waren gerade nach oben gegangen, ich warf noch einmal einen Blick aus dem Fenster und sagte zu F.: "Gleich wird's Bubele kommen, denn ich schätze, da braut sich was zusammen."

"I hör aber nix ..."

"Ich auch nicht, aber Rex wird's gleich mitkriegen, wart's ab."

Und siehe da, da kam er auch schon herbei, setzte sich kurz vor F.s Bett, der ihm versprach, ihn beschützen zu wollen.

Na, dachte ich, das wird nix, der wechselt gleich seine Position, und genauso geschah es, denn in diesem Moment hörten auch wir den ersten Donner und Rex zog es vor, nun meine Nähe zu suchen.

Er weiß ja genau, dass das Schlafzimmer an sich tabu ist für ihn, bei "bösem" Wetter aber Ausnahmen gemacht werden, also setzte er sich neben mein Bett, ich erklärte ihm, dass alles in Ordnung sei und er sich beruhigt hinlegen könne, was er dann auch tat, und zwar so, dass ich ihn mit den Zehen erreichen und kraulen konnte.

Herrlich, dieses kuschelige Gefühl da unten und so konnten wir alle drei in tiefer Ruhe ins Reich der Träume wandern ...

Und nun hat die Realität mich wieder, heute steht so einiges an und ich sollte langsam in die Pötte kommen, nachdem unser Frühgang wieder prima verlaufen ist und ich schon die zweite Tasse Kaffe intus habe.

Habt einen schönen Tag und ... bleibt gesund!
19.6.20 07:10
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Lifeminder (19.6.20 14:21)
Hallo, Liebe Rex-Mama!

Schön, das bei euch so gemütlich zugeht. Die Eiszeit ist offenbar endgültig überstanden?

Erinnerungen, sind vielleicht neben den Menschen die wir lieben, der größte Schatz den wir besitzen?

Ich mag Annette Frier gerne, allerdings habe ich Elsa noch nich gesehen. Genial allerdings ihr Briefaustausch mit Kai Lüftner. Den ich als Podcast mag. Voller Witz und Gefühl berichten die Beiden über Alltag, Familie, banales und den Wahnsinn des Lebens.


Liebe - erinnerungswürdige Blick zurück wie nach vorne - Grüße
Vom lifeminder


"Rex-Mama" (20.6.20 05:00)
Zwar kenne ich Kai Lüftner nicht, aber ich vermute mal, dir würden dann diese Ella-Schön-Filme auch gut gefallen. Ich jedenfalls mag sie sehr. :-)

Liebe Ebenfalls-nach-vorne-und-hinten-guck-Grüße zurück

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