Rex - my love, mein Auslandshund
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Randale am Morgen

Schon um vier Uhr hielt es mich nicht mehr im Bett, also aufgestanden, rasch ins Bad, Kaffee aufgesetzt und nach einer ersten Zigarette zog ich mir Schuhe und Rex die Leine an, fest darauf hoffend, dass die Welt um diese Zeit noch weitgehend frei von seinen Artgenossen wäre, auf die er ja immer sehr zornig reagiert.

Weitgehend, genau das traf die Sache, denn es gibt einen einzigen Mann, der offenbar im Bett auch nichts Besseres mit sich anzufangen weiß, als früh daraus zu verschwinden.

Nun habe ich diese Frühgänge (endlich) seit anderthalb Wochen wieder eingeführt und bereits viermal kam er mir entgegen, mal auf dem Rad, mal zu Fuß, immer aber einen großen Hund an seiner Seite - dankenswerterweise stets angeleint.

Ich gehe immer so um fünfe herum los, +/- eine Viertelstunde und es ist wie verhext, gehe ich früher, tut auch er dies, bin ich etwas später dran, ist er es auch.

Dort, wo ich von der "Pampa" zurück in die "Zivilisation" komme, müssen wir eine viel befahrende Straße überqueren, um gegenüber in unsere eigene, zwar kleine, aber leider ebenfalls hoch frequentierte zu gelangen.

Zunächst kommen wir vom Weg in eine winzige Sackgasse, die zu zwei Wohnhäusern und einer Firma führt - sehe ich den Mann schon von dort aus aus unserer Straße kommen, kann ich meist abschätzen, ob er rechts- oder linksherum das erste der beiden Häuser umrunden wird, und kann dementsprechend mit Rex den entgegengesetzten Weg wählen, um einer direkten Konfrontation zu entgehen.

Wichtig für mich ist immer eine vorausschauende Sicht und genügend Platz, um diesen gewissen Sicherheitsabstand einhalten zu können, dann lässt mein wilder Bub sich recht gut händeln durch mehrmaliges kurzes Ziehen an der Leine, "Hier, hier, hier!" und zügiges Weitergehen nach dem Motto: "Hier spielt die Musik, mein Freund!"

Heute ging das leider mächtig in die Hose, denn war ich deutlich früher dran als sonst, war dieser Mann es auch, und zwar derartig, dass er mir bereits in der "Pampa" entgegenkam.

Das letzte Stück Weg ist kurvig und relativ eng, genau in einer dieser Kurven sehe ich ihn ankommen, hm, grummel ... watt'n nu?

Rechts sind Kleingärten, links eine Mauer, ist also Essig mit Ausweichen, also überlegte ich ganz kehrtzumachen und die Runde noch einmal rückwärts zu absolvieren. Quatsch, ein Stück weiter zurück gibt es einen Parallelweg, zumindest früher einmal gut vom Hauptweg abgetrennt durch hohes Gebüsch, dorthin könnte ich flüchten.

Blöderweise hatte aber natürlich auch Rex den anderen Hund gesehen und so war es extrem schwer, ihn zur Wende zu überreden. Er zerrte und zog in Richtung des Artgenossen, auch wenn dieser im Moment dank der Kurve gar nicht sichtbar war.

27 Kilos klingen gar nicht so gewaltig, aber wenn sie aus Muskeln bestehen, braucht man echt viel Kraft, diese gegen ihren Willen und nach eigenen Vorstellungen zu lenken.

Irgendwie schaffte ich es bis zum Parallelweg und es haben sogar einige, wenige Büsche die Rodungswut dieser Stadt überlebt, aber natürlich musste der "andere" an uns vorbei - es gab weit und breit nichts, woran ich mich hätte festhalten können, um meinen Stand zu stärken, so dass ich gewaltig zu kämpfen hatte, mein tobendes Ungeheuer zu halten.

Ich war bedient und träumte auf dem zum Glück ja nicht mehr weiten Heimweg davon, wie schön es doch sein müsste, in einer nicht derartig mit Menschenmassen vollgepferchten Gegend leben zu können.

Dabei gingen mir dann die Sendungen zum Thema Evolution des Menschen durch den Kopf, bei denen ich in den letzten Tagen mehrmals gelandet war.

Schon der Homo erectus zog vor 1,8 Millionen Jahren von Afrika aus los, später war es der Homo Sapiens, der zunächst einmal die Neandertaler "schluckte", sich aufteilte und während er in Europa noch munter vor sich hin jagte und sammelte, hatte er in Anatolien bereits begonnen, sesshaft zu werden.

Er hatte es schnell gelernt, mittels "genetischer Experimente" nur die Körner der kräftigsten Wildgetreidehalme zur Aussaat zu verwenden und somit ergiebigen Ackerbau zu betreiben.

Warum dann auf einmal Anatolien nicht mehr gut genug war, weiß keiner, auf jeden Fall migrierte er von dort nach Europa, um nun die Jäger um Sammler teils plattzumachen und sich teilweise so mit ihnen zu vermischen, dass am Ende nur noch 30 % der Sammlergene übrigblieben.

Die neue sesshafte Lebensform und seine Erkenntnisse brachte er mit und legte damit den Grundstein für das, was unsere Welt heute schier zum Ersticken bringt.

Diese Sendung endete mit der Fragestellung, was wohl ohne diese Sesshaftwerdung geschehen wäre mit dem Menschen.

Klar, für einen Nomaden ist es wenig sinnvoll, materielle Güter anzuhäufen und mit sich herumzutragen. Vorratshaltung erübrigt sich, man lebt von der Hand in den Mund und klaut anderen Horden höchstens mal die Frauen, um die Gene hübsch frisch zu halten.

Ist es letztlich also nicht die so hochgelobte Größe unseres Gehirnes, die uns dazu bringt, die Welt, auf und von der wir doch leben müssen, so arg zu zerstören?

Mehr, mehr, immer mehr muss es sein, immer schneller, höher, weiter, nur damit es wiederum noch mehr werden kann.

Irgenwie schon irrwitzig alles, je mehr wir versuchen, Kriege und Krankheiten einzudämmen, umso rasanter steigt unsere Anzahl, was unweigerlich dazu führen muss, dass man sich dann erst recht die Köppe einhaut im Kampf um die immer knapper werdenden Ressourcen.

Nein, ich stelle mir nun lieber nicht vor, die inzwischen fast 8 Milliarden würden alle wieder anfangen mit Jagen und Sammeln. Ruckzuck wären die letzten paar Wildtiere, denen wir noch Lebensraum gelassen haben, hinweggefegt, und spätestens wenn auch die letzte Ratte aufgefressen wäre, käme Kannibalismus und wir müssten eh wieder angangen zu säen und zu züchten.

Hm, wie habe ich es denn nun wieder geschafft, bei solchen Gedankengängen zu landen? *koppkratz*

Ach ja, richtig, meine kleine Gassiwelt ist mir bissl zu voll ...

Glücklicherweise ruft mich jetzt eh der Alltag und ich muss aufhören, über solches Zeugs nachzugrübeln, zumal F. es auch nicht lassen kann, für mich immer mehr nervige Podcasts einzuschalten und mich damit vom Nebenraum her zu beschallen.

Habt einen feinen Tag und ... bleibt gesund!
8.6.20 07:31
 


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