Rex - my love, mein Auslandshund
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Es gibt keine Sandburgen mehr

Obwohl ich von Anfang an kein Freud des panischen Lockdowns war, vor allem nicht von den gewaltigen wirtschaftlichen Schäden, die man damit anrichtete und deren ganzes Ausmaß wohl noch gar nicht abzusehen ist, sah ich gestern mit großem Erschrecken die Pfingstbilder von überfüllten Stränden an Nord- und Ostsee.
Die Leute knubbelten sich derart, dass manche Orte komplett abgeriegelt werden mussten - was für eine Unvernunft.

Dabei fiel mir auch auf, dass es überhaupt keine Sandburgen mehr zu geben scheint. Wie immer, wenn ich neugierig geworden bin, befragte ich Tante Google dazu und las, dass dies wohl schon seit den Neunzigern aus der Mode gekommen ist.
Als Ursache vermutet man eine wachsende Bequemlichkeit der Urlauber, gut möglich, dass man seinen Strandkorb bezieht und statt mit dem Schaufeln anzufangen lieber sein Smartphone in die Hand nimmt, um aller Welt mitzuteilen, wo man sich gerade befindet.

Vielleicht gilt die gute alte Sandburg inzwischen auch als äußerst spießig und durch und durch bürgerlich, dabei erfüllte sie durchaus ihren Zweck, und das in mehrfacher Hinsicht.

Gerade beim Gassigehen sah ich es noch einmal vor meinem inneren Auge, wie meine Eltern uns in der Mitte der Sommerferien beim Großonkel einsammelten, wie immer wollten wir die letzten drei Wochen an der Ostsee verbringen.

Der Taunus 17m und der Dachgepäckträger waren randvoll beladen ... bis heute ist es mir ein Rätsel, wie Papa dort so viel unterbrachte. Immerhin mussten Koffer für 5 Personen mit, dazu ein Vorrat an Lebensmitteln, die vor Ort deutlich teurer waren als daheim, dann Bettwäsche, Handtücher und zu guter Letzt noch der Kinderwagen meiner kleinen Schwester, dessen Oberteil auf dem Rücksitz stand, rechts und links davon saßen mein Bruder und ich, während das Baby zwischen uns fröhlich krähte.

Wir bewohnten viele Jahre lang ein wirklich komfortables und sehr individuell gestaltetes freistehendes Ferienhaus direkt hinterm Deich und wenn wir am späten Nachmittag nach langer Fahrt endlich dort eintrafen, wurde erst einmal alles ausgeladen, dann reichte die Zeit gerade noch für Essen und einen ersten Rundgang am Strand - wir mussten ja kontrollieren, ob die Läden auf der Promenade immer noch alle vorhanden waren.

Als meine Schwester etwa 2 oder 3 war und das Meer zum ersten Mal ganz bewusst wahrnahm, sagte sie: "Oh, Papa, Scheb ist das", seitdem heißt die Ostsee bis heute bei uns allen so.

Am ersten Morgen holte Papa wie an jedem der folgenden Tage 20 Brötchen, einen Teil frühstückten wir, den Rest bestrich und belegte er liebevoll - unser Tagesproviant, denn erst abends würde es dann ja warmes Essen geben.

Dann zogen wir los, erst einmal unseren Strandkorb suchen und alsbald liehen wir uns von dessen Vermieter mehrere Schaufeln aus und begannen gemeinsam unser Werk.
Für uns Kinder wirklich aufregend und erst wenn der Wall rund um unseren Korb zu einer stattlichen Höhe angewachsen war, fühlten wir uns so richtig angekommen.

Diese Burg war unser Refugium für die nächsten drei Wochen, innerhalb konnten wir unsere kleinen Dinge wie Schuhe, Strandtaschen, Spielzeuge usw. einfach herumliegen lassen, hinter dem Strandkorb wurde mittags im Schatten ein großes Handtuch ausgelegt, damit meine Schwester ein Schläfchen machen konnte, und wir Großen waren den ganzen Tag unterwegs, tauchten ab und zu auf, um uns ein Brötchen zu holen oder gemeinsam mit der Lütten ins Wasser zu gehen.
Meine Eltern wiederum waren mitsamt dem Korb der Mittelpunkt und starteten ihrerseits von dort aus auch gern mal zu gemeinsamen Unternehmungen.

Immer noch meine ich das Rauschen der Wellen zu hören, fühle das Salzwasser und die kleinen Sandkörnchen auf der Haut, spüre, wie der leichte Wind in den Haaren spielt - was für eine herrliche Zeit, und so voller für Brüderchen und mich ja ungewohnter Freiheit.

In einem Jahr krönten wir unsere Burg mit einer Schlange aus Feuersteinen, die wir gesammelt hatten. Sagt euch der Begriff "Hühnergott" etwas?
So nennt man diese Feuersteine, wenn die Natur sie mit einem Loch versehen hat - Papa hatte einen gefunden, der sogar zwei Löcher hatte und damit und dank seiner länglichen Form einen hervorragenden Schlangenkopf abgab.

Wir nahmen ihn damals mit und noch immer bildet er den Abschluss meiner steinernen Beetumrandung ...

My home is my castle, hier stimmte das wirklich, denn unsere kleine Burg war viele Sommer lang unser Zuhause und sie bot den Vorteil, dass man sich nicht mit den Strandnachbarn gegenseitig auf die Füße latschte, wir stolperten nicht über deren Zeugs und sie nicht über unseres und wir empfingen dort unzählige Male Cousins und Cousinen, die nach alter Familientradition im gleichen Ort urlaubten, dazu kamen neu gewonnene Urlaubsbekanntschaften, es herrschte immer reges Treiben, auf der anderen Seite hatten wir aber auch automatisch den Sicherheitsabstand, der neuerdings ja in aller Munde ist.

Manchmal fuhren wir auch übers Jahr für ein paar Tage an die holländische Nordsee, dort gab es statt der geflochtenen Standkörbe mit beweglichem Oberteil nur einfache Holzkästen mit einem ungepolsterten Brett zum Sitzen. Burgen wurden dort gar nicht gebaut, was letztlich dazu führte, dass das Strandgefühl mit dem an der Ostsee in keinster Weise zu vergleichen war.

Nun gibt es sie also auch hier nicht mehr und im Rahmen meiner Googlesuche stieß ich darauf, dass das Bauen einer solchen Burg in manchen Orten inzwischen sogar mit Strafen bis zu 1000 Euro belegt wird. Ein vernünftiger Grund dafür ist nicht erkennbar, es handelt sich wohl um pure Überreglementierungswut.

Schade drum ...

F. als Schwabe lernte die Ostsee übrigens erst durch mich kennen und auch sehr lieben. Bevor wir unser Haus kauften, fuhren wir gern mal für eine Woche oder so hin, allerdings immer nur in der Nebensaison, wenn die Strandkörbe längst im Winterschlaf waren, dadurch hatte ich von dieser Veränderung gar nichts mitbekommen.

Hach ja, nun könnte ich noch stundenlang so weiterträumen (z.B. auch von den verführerischen Düften der Milchbar, in die uns Papa ab und zu zu Roter Grütze mit Milch einlud), aber die Pflicht ruft und immerhin habe ich ja meinen Schlangenkopf im Garten, der mich nachher beim Wässern sicher gleich wieder zurück in alte Zeiten versetzen wird.

Habt einen schönen Tag und genießt ebenfalls eure Erinnerungen, sofern sie denn schön sind ...
3.6.20 07:29
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Lifeminder (3.6.20 14:27)
Hallo, liebe Rex-Mama!

Ich habe diesen Blogeintrag sehr genossen!
So schön erzählt. Direkt aus dem Herzen. Spürbar mit Euphorie. Begeisterung und vielleicht sogar eine kleinen Schuss Wehmut?

Hat er doch auch bei mir, die ein oder andere Erinnerung zurückgebracht!

Dein Papa war wohl echt ein toller Kerl?

Du bist wirklich eine Meisterin der Erzählkunst, bereits jetzt freue ich mich darauf, wenn du wieder einen Blick in die Vergangenheit wirfst und uns daran teilhaben lässt!


Liebe - die Vergangenheit macht uns zu dem Menschen der wir heute sind - Grüße!

Vom lifeminder


"Rex-Mama" (3.6.20 20:49)
Danke dir, mein Lieber!
Gell, du kennst sie auch, die Wehmut, die einen gern mal überfällt, wenn man in solchen Erinnerungen schwelgt? ;-)

Liebe Dir-zustimm-Grüße zurück ...


Sparköchin / Website (3.6.20 21:16)
Liebe Rex-Mama,
bitte bitte lass uns ein Foto sehen von Strandkorb mit Sandburg!!! Ich kanns mir überhaupt nicht vorstellen, an der Wiener Adria (von Caorle über Bibione bis Jesolo) lernte ich das nie kennen! Also, Sandburgen schon, so kleine mit vier Türmchen in der Größe eines Spielzeugkübels, nicht einmal einen Quadratmeter groß.
Einen Hühnergott hab ich vor vielen Jahren von einer Freundin geschenkt bekommen, die ihn an der See (Nord oder Ost?) gefunden hatte. Müsste ich eigentlich noch irgendwo haben ... war mir damals als Strand-Phänomen völlig unbekannt. Ich war ja mehr die Muschel-Sammlerin ...
Alles Liebe
von der Sparköchin


lifeminder (3.6.20 23:34)
Liebe "Rex-Mama"!

Natürlich kenne ich diese Wehmut, sehr sogar!

Dennoch ist es immer wieder schön, wenn einem ganz besondere Momente unerwartet in den Kopf schießen. Für die man unendlich dankbar ist.

Mit Dank und Liebe sich an besondere Momente und Menschen erinnert.
Möglicherweise fragt man sich bei der ein oder anderen Person:

Was ist wohl aus dir geworden? Gibt's dich eigentlich noch? Geht's dir gut?

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