Rex - my love, mein Auslandshund
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Demenz und Träume

Seit das Pflegeheim nebenan gebaut wurde, denke ich oft an den Teil meiner Kindheit zurück, der sich auf dem Lande abspielte.
Dort war es üblich, dass mehrere Generationen unter einem Dach lebten, und es gehörte zum vertrauten Bild, dass Omis vor dem Haus auf der Bank saßen ... sie seinen "verkalkt", hatte man uns Kindern gesagt und wir nahmen sie halt so, wie sie waren, etwas anders eben, und wir wurden höchstens etwas ratlos, wenn sie begannen, sich die Strümpfe zu zerreißen oder die Haarnadeln herauszupulen.

Inzwischen dürfte so etwas seltener geworden sein, wir wollen es nicht sehen und uns schon gar nicht selber rund um die Uhr kümmern, die Heime schießen wie Pilze aus dem Boden, allein bei uns im Stadteil gibt es inzwischen fünf davon und weitere sind offenbar geplant.

Manchmal höre ich die Schreie von nebenan durch die gekippten Treppenhausfenster, vermutlich ausgestoßen in einer Phase der extremen Orientierungslosigkeit, hilflos einer Welt ausgeliefert, die man nicht mehr versteht.

Seit dem gnadenlosen Lockdown hat das stark zugenommen, klar, man hat diesen Menschen ja damit auch noch den letzten Bezug zu Vertrautem, zu liebenden Angehörigen genommen und heute Nacht beschäftigte mich die Frage, wie es wohl im Falle von Demenz mit dem Träumen aussehen mag.

Träumt man dann überhaupt noch und wenn ja, vielleicht trotz aller Wirrheit, die Träume nun einmal an sich haben, vielleicht doch realer, als der Wachzustand noch wahrgenommen wird?

Es sieht so aus, als würde sich beides ausschließen, aber recht tröstlich fand ich diesen Artikel hier.

Häufiges und langes Träumen ist offenbar ein gutes Zeichen, daraufhin schaute ich mal in meine Dateien und stieß auf dies hier:

"Nachtmahr der Geborgenheit

Die Vorräume der Praxis waren überfüllt und die blondschöpfigen Damen hinter dem Empfangstresen versuchten abwechselnd ihr zu erklären, was sie bei der Bewerbung um einen freien Arzttermin alles falsch gemacht habe. Die Formulare seien auf diese oder jene Weise zu handhaben, und überhaupt …
Sie bemühte sich zu erklären, warum sie die Eintragungen so und nicht anders vorgenommen hätte, und auch, dass manche Angaben noch gar nicht eintragbar wären, da sie noch gar keine Informationen darüber habe und eben diese ja erst durch den Arztbesuch erhalten wolle.
Der ständige Austausch ihrer Gegenüber erschwerte die Erklärungsversuche ungemein, denn jedes Mal, wenn sie dachte, einen persönlichen Zugang zu der jeweiligen Dame gefunden zu haben, tauchte ein neues Gesicht auf und sie musste von vorn beginnen.
Auf einmal ein Raunen aus vielen Mündern, die Tür zum Allerheiligsten öffnete sich, der Arzt trat heraus, weiß bekittelt und in Begleitung einer seiner Mitarbeiterinnen, oder war es seine Tochter? Im Vorübergehen richtete er eine Quizfrage an sie und war schon verschwunden, ehe sie auch nur zu einer Antwort ansetzen konnte. Mist, dachte sie, nun werde ich nie erfahren, ob es die richtige Antwort gewesen wäre…
Im selben Moment stellte sich ihr ein hoch gewachsener, durchaus gut aussehender Mann als möglichen Nachfolger des Arztes vor, und während sie überlegte, ob es ratsam sei, sich mit ihm vorsichtshalber gut zu stellen, kam die Nachricht, der Arzt sei plötzlich verstorben.
Nur weg hier! Sie rannte los, rannte, rannte, rannte bis ans Meer. Hier war es schön: Blau-graue Wellen rollten friedlich auf den Strand zu, gelblich-weiße Schaumkrönchen tanzten wispernd und zischelnd auf ihnen herum, ergossen sich in eine große Lache, wenn sie auf einen der herumliegenden Felsbrocken trafen, schmatzten und glucksten freundlich, als wollten sie sich mit ihr unterhalten, und zogen sich dann sanft ins Meer zurück.
Ja, hier war es wirklich schön! Sie beschloss, einen der hochbeinigen Strandkörbe zu erklimmen, schrankartige Holzkisten in lustig bunten Farben, die sich auf Stelzenfüßen über den Strand fortbewegten. Ja, sie bewegten sich tatsächlich, hatten Gelenke in den Beinen und wichen jedem Hindernis geschickt aus.
Wie diese modernen Staubsauger, dachte sie, die kleinen ovalen Geräte aus dem Fernsehen, die selbsttätig die ganze Wohnung saugen, nie anecken und keinerlei menschliche Hilfe benötigen.
Die Einstiegsluke befand sich in Höhe ihres Kopfes, und sie musste die Kraft beider Arme aufbieten, um sich emporzuziehen. Endlich – geschafft! Innen gab es keinerlei Einrichtung
und so kauerte sie sich auf den Boden in die Ecke auf der rechten Seite des rechteckigen Eingangsloches. Eine Schießscharte, dachte sie, ich sitze in einer Geige mit Schießscharte. Ihr gegenüber kauerte noch jemand. Sie konnte ihn nicht richtig erkennen. War es ihr Mann, war es der Nachfolger des Arztes, war es überhaupt ein Mann? Es war nicht wichtig. Sie genoss es, nicht allein zu sein, und so lauschten sie gemeinsam den Geräuschen des Meeres. Viel sehen konnten sie durch den schmalen Schlitz nicht, aber das machte nichts. Ein Baby im Kinderwagen sieht auch nichts, dachte sie und ließ sich von den sanften Schaukelbewegungen des umherwandernden Strandkorbes einlullen …
Etwas hatte sich verändert, aber was? Sie fuhr hoch. Der Schlitz, sie konnte den Schlitz kaum noch sehen, obwohl es doch draußen noch heller Tag sein musste. Sie tastete sich mit den Händen voran, fand die Luke und streckte den Kopf hinaus.
Schwarz, alles war schwarz. Pechschwarze Wolkenungetüme türmten sich auf. Nein, nicht schwarz, schwärzer noch als schwarz war der Himmel. Das musste die Hölle sein. Der Weltuntergang schien sich anzukündigen.
Wo war überhaupt ihr Hund? Ihr Hund war nicht da. Sie konnte ihn doch nicht vergessen haben. Er musste da sein. „Hund! Huuund …!“
Sie stürzte aus der Holzkiste, lag verdreht im feuchten Sand, rappelte sich hoch, wollte schreien, brüllen … wo war der Hund?
Aus ihrem Kehlkopf schluchzte sich ein heiseres Krächzen empor, würgte sie. Es kam nichts heraus! Ein eiserner Ring hatte sich um ihren Hals gelegt, zog sich zusammen, je mehr sie versuchte zu rufen. Wo war der Hund?
Sie schrie in Gedanken, alles in ihrem Kopf schrie, aber es drang nichts nach außen, nicht ein einziger Ton. „Huuund, wo bist du?“
Der Hals, es tat so weh. Luft, es ging keine Luft mehr hindurch. Panik! „Ich ersticke!“ Stück für Stück wurde ihr Kehlkopf eingedrückt … Der Hund …
Da, ein Fischer. Er musste helfen können. Sie schleppte sich zu ihm hin, hob mühsam den Kopf, sah in den verschlagenen Blick seiner Augen, sah sein schmieriges Grinsen und wusste: Er hat den Hund umgebracht! Sie wollte schreien, ihn niederbrüllen, ihn seine bösartige Visage zerkratzen, auf ihn einprügeln, seinen Kopf schlagen, bis er zermatscht abfiel, doch kein Laut kam über ihre Lippen, die Arme mit Blei an den Körper geheftet.

So stand sie stumm, erstickend und gelähmt, war hilflos seinem wissenden, höhnischen Auflachen ausgeliefert. Dann … verschwamm sein Gesicht, wurde mehr und mehr konturlos und verschmolz mit der Düsternis des drohenden Weltuntergangs.

(Nachdem sie in die wirkliche Welt oder in das, was sie dafür hielt, zurückgekehrt war, wurde sie noch tagelang von heftigen Kehlkopfschmerzen begleitet.)"

Dies hatte ich am 11.5.2005 morgens so festgehalten, nachdem ich in der Nacht kurz aufgewacht und mir gleich Notizen über das soeben Durchstandene gemacht hatte - eine Angewohnheit, die ich bis heute so beibehalten habe, denn diese nächtilichen Verbrecherpistolen bzw. Horrorsituationen sind beileibe nicht weniger geworden bei mir.

Wenn man dem Artikel Glauben schenken mag, doch ein gutes Zeichen, oder?

In diesem Sinne wünsche ich auch euch reichhaltige Träume, natürlich einen schönen Tag und ... bleibt gesund!
1.7.20 08:03


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