Rex - my love, mein Auslandshund
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Überraschung

Gestern ging mein so schnöde verpasster Urlaub zu Ende, jeden Tag war ich in Gedanken bei meinem Bruder und seiner Familie, schaute mir über WhatsApp aktuelle Fotos von dem an, was mir entgangen war, und zum Abschluss wünschte ich ihnen dann vormittags eine gute und sichere Heimfahrt.

Drei Stunden später ging das Telefon, meine Schwägerin: "Wir sind fast bei euch ..."

Huch?

Veräppelten die mich jetzt?

Nein, kurz nachgedacht, prinzipiell war es möglich, dass sie diese Route gewählt hatten, und so setzte ich vorsorglich mal Kaffee auf und begann zu überlegen, wie ich das mit Rex hinkriegen könnte, dem sie noch nie leibhaftig begegnet sind.

Mein Bruder ist wie ich Kind meiner Mutter, deren Erziehung unter anderem auf Abwehr gegen Hunde gebürstet war, bei seiner Arbeit als Umwelttechniker wird er im Gelände oftmals mit Kackhaufen konfrontiert, was seine Liebe nicht eben gesteigert hat, meine Schwägerin hat einfach nur Angst und beider Skepsis hat sich natürlich längst auf die Mädels übertragen.

Keine einfache Ausgangslage, zumal Rex ja nicht wirklich daran gewöhnt ist, dass Leute zu uns kommen. Das gesellschaftliche Leben spielt sich hier fast ausschließlich gegenüber auf der "Partymeile" ab, hin und wieder mal ein Handwerker, das war's auch schon, abgesehen von meiner Freundin, die gern mal für ein paar Tage kommt, Hunde aber sehr liebt und gut damit klarkommt, wenn Bubi sie zur Begrüßung erst einmal anspringt.

Diese Springerei - was mich selbst betrifft, habe ich sie ihm so gut wie ganz abgewöhnen können und es passiert höchstens noch, wenn ich sehr lange abwesend war. Bei Fremden sieht das natürlich anders aus, mir fehlen schlicht die Gelegenheiten zum Üben und so befielen mich leichte Zweifel, ob ich das nun hinbekommen könnte, ohne dass die Familie mir schreiend davonliefe.

Die Wiedersehensknuddelei musste auf jeden Fall ohne ihn ablaufen, also stellte ich mich wartend vors Haus und tatsächlich kamen sie bald darauf angefahren, fanden ca. 50 m entfernt einen Parkplatz.

Ich ging ihnen entgegen, breitete die Arme aus und schon stürzten die Mädels los, um sich in diese zu werfen.

Hach, was für eine Freude. Erst vor ein paar Wochen hatte ich sie besucht, trotzdem war die gegenseitige Sehnsucht schon wieder sehr groß gewesen, umso schöner nun das unerwartete Wiedersehen. 

Jetzt allerdings wurde es spannend. Ich hatte mit F. vereinbart, dass er Rex zunächst mal anleinen würde, um den ersten heftigen Aufprall zu verhindern.
Blöderweise empfand er aber just in dem Moment, in dem ich nach draußen ging, das dringende Bedürfnis, es sich aufm Klo gemütlich zu machen, also musste ich erst einmal nachschauen, ob das inzwischen erledigt und Rex am Haken war.

Tür einen Spalt geöffnet, jawoll, alles okay, also rin in die gute Stube.

F. stellte sich ein wenig dubbelig an und der eintretenden Bande quasi in dem eh sehr engen Eingangsbereich mitten in den Weg und wollte die Leine sofort lösen, als die Tür hinter dem Letzten geschlossen war, was übel geendet hätte, also übernahm ich Rex und forderte alle auf, sich erst mal ein wenig zu verteilen, während Bubi sich natürlich vor Aufregung wie wild aufführte.

Ich ließ ihn etwas ausdampfen und redete beruhigend auf ihn ein, bis F. und der Rest der Familie sich begrüßt hatten, dann aber war es so weit und ich musste auch ihn Hallo sagen lassen.

Und nun geschah das, was man von Nicht-Hundeleuten allgemein so kennt, sie strichen ihm alle einmal recht ungelenk über den Kopf, gern mit den Worten "So, nun is gut!", und erwarten dann, dass der Hund sich zurückzieht wie eine Maschine, bei der man auf den Aus-Knopf gedrückt hat.

Ich kenne sie aus eigener Erfahrung, diese mangelnde Bereitschaft, sich auf ein Tier einlassen zu können oder wollen, und heute kann ich nur den Kopf darüber schütteln, wie ich jemals so drauf sein konnte, aber nun stand ich vor dem gleichen Problem, das ich damals anderen Hundehaltern wohl auch bereitete: Wie erklärt man seinem Tier, dass da jemand ist, der so gar nichts mit ihm am Hut und seine Liebe und Aufmerksamkeit nicht haben will?

Alle setzten sich an den Tisch, so dass etwas mehr Ruhe einkehrte und ich die Leine lösen konnte, während ich mich um Kaffee, Kakao und Plätzchen kümmerte.

Büble verteilte seine Zuwendung gleichmäßig, ging ständig reihum, um sie zu beschnüffeln oder seinen Kopf auf ihre Schenkel zu legen. Wären sie kurz drauf eingegangen, hätten ihn ein bissl beschmust, wäre alles gut gewesen, stattdessen zeigten sich aber die Kinder sehr ängstlich und meine Schwägerin begann sogar hoch zu quietschen: "Neiiiiin ...", was Rex natürlich als Aufforderung für ein munteres Spielchen verstand.

Mein Bruder neigt dazu, laut zu reden und seine oft sehr witzigen Erzählungen mit aktionsgeladenen Gesten zu unterstreichen, was bei Hunden natürlich anders ankommt, als es eigentlich gemeint ist - kurzum, ich hatte reichlich zu tun, mein Bübchen einigermaßen im Zaum zu halten.

Später wollte Brüderchen, der ein begnadeter Gärtner ist, sehen, was sich in meinem Garten so an Pflanzen tummelt, und auch mein ganzes Renovierungswerk war noch neu für ihn, also wechselten wir in den Garten, was für Rexi die Krone an Ungewöhnlichem war - sechs Menschen auf einmal in seinem ureigensten Revier. Das musste man doch gleich mal nutzen, um seine freudige Erregung kundzutun.

Er begann seine übliche Sauserei, an sich nicht einmal schlimm, wenn er sich nicht am Ende jeder Runde gern ein Opfer suchen würde, an dem er hochspringen kann. Ich selbst weiß damit umzugehen bzw. es zu verhindern, nicht aber die anderen, also holte ich die Leine, was ihn vollends irritierte, denn nun war er der Meinung, es würde gleich zum Gassi gehen.

Es wurden turbulente zwei Stunden, länger reichte meinen Lieben die Zeit leider nicht, die ja noch eine weite Fahrt vor sich hatten.

Zwar hatte ich in Gedanken schon Schlafplätze hergerichtet, aber sie wollten lieber weiter.

Schade, aber immerhin haben sie Rex nun kennen gelernt und was mir sehr gut gefiel, war, dass das größere der beiden Mädels im Garten immer wieder versuchte, zarte Bande zu ihm zu knüpfen.

Sobald er brav neben mir stand, war sie da und streichelte ihn, gern mal mit den Worten: "Ich weiß gar nicht, was die alle haben, der ist doch ganz lieb."

Wir sprachen dann noch darüber, dass sie vielleicht auch mal für einen längeren Besuch kommen wollen, nachdem ich versprochen hatte, Bubi dann so lange ins Hundehotel zu bringen.

Ist zwar traurig, aber ich denke, anders würde es nicht gehen.

Mit den Kindern würde ich es vermutlich hinbekommen, sie langsam mit ihm vertraut machen und ihnen zeigen, wie man richtig mit einem Hund umgeht, aber bei den Erwachsenen dürften Hopfen und Malz verloren sein.

Mein Bruder macht sich zwar (zumindest nach außen hin) nicht inne Büx, aber ihm fehlt die Bereitschaft, sich einem Tier zu öffnen, und seine Frau wird sich aus ihrer Schockstarre nicht mehr lösen können, zumindest nicht innerhalb weniger Tage.

Wirklich schade, denn sie wissen gar nicht, was sie ihren Kindern damit vorenthalten, deren Empathie, Verantwortungs- und auch Selbstbewusstsein man kaum einfacher stärken kann als durch das Halten eines eigenen Hundes. 

 

 

 

5.8.17 12:09
 


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mausfreddy (5.8.17 21:13)


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